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Am 6. Mai 2026 wurde in Absdorf die erste Mehrnutzenhecke auf Kirchengrund eröffnet und gesegnet. Die Pfarre Absdorf stellte das dafür nötige Feld zur Verfügung und setzt damit ein weiteres sichtbares Zeichen für gelebte Schöpfungsverantwortung. Bereits seit 2014 ist die Pfarre mit dem Umweltzeichen EMAS ausgezeichnet und engagiert sich konsequent für Biodiversität, Bodenschutz und Klimaanpassung.

Vergangenen Mittwoch versammelten sich südlich der Marktgärtnerei Grand Garten in Absdorf Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche, Verwaltung und Landwirtschaft zur feierlichen Eröffnung des kilometerlangen Biotopverbunds. Die symbolische Pflanzung von zwei Obstbäumen und die feierliche Segnung der Heckenanlage standen dabei im Mittelpunkt.

„Dieser Biotopverbund zeigt, wie Niederösterreich mit Hilfe der Natur effektiv vorangeht. Die Zusammenarbeit von Gemeinde, Kirche, Landwirtschaft und Land ist ein starkes Signal für nachhaltige Entwicklung und Klimaanpassung in unseren Regionen.“ betonte Abgeordneter zum NÖ Landtag Bernhard Heinreichsberger in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

In Absdorf ziehen Gemeinde, Kirche, Landesverwaltung und Landwirtschaft an einem Strang. Gemeinsam entsteht ein durchgehendes Netz aus Hecken, das mit Mehrnutzenhecken bestehende Strukturen verbindet und neue Lebensräume schafft. Rund  540 Bäume und 1.960 Sträucher  von schaffen die Verbindung zwischen bestehenden Windschutzanlagen und einem Auwäldchen. So entsteht auf über 2.000 Metern ein vernetzter Grünraum, der als Vorbild für klimaresiliente Regionen in ganz Europa dienen kann.

Eine wesentliche Voraussetzung  für die Pflanzung von Hecken auf Kirchengrund war, dass sie rechtlich nicht als Wald gelten. Die Mehrnutzenhecke ist eine konsequente Weiterentwicklung klassischer Windschutzanlagen. Sie eröffnet Grundbesitzern vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, ohne dabei künftigen Generationen dauerhaft vorzugeben, an welchen Standorten Bäume stehen müssen. Eine entsprechende Änderung der Forstgesetzes erfolgte 2023.

Alleskönner Mehrnutzenhecke

Mehrnutzenhecken sind eine besonders wirkungsvolle Maßnahme für eine klimafitte Landwirtschaft, da sie zahlreiche positive Effekte vereinen. Lorenz Mayr, der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, erklärt: „Sie reduzieren Wind- und Wassererosion, verbessern die Bodenstruktur und erhöhen die Wasserspeicherfähigkeit. Dadurch leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung landwirtschaftlicher Erträge und zur Anpassung an den Klimawandel. Gleichzeitig schaffen sie Lebensräume für Bestäuber, Nützlinge und andere Wildtiere. So profitieren auch Imkerei, Jagd und Naturschutz.“

„Hier wird Schöpfungsverantwortung praktisch gelebt. Dass auf Kirchengrund eine Hecke entsteht, die Mensch, Natur und Landwirtschaft verbindet, die Natur schützt und unsere Zukunft sichert, ist ein starkes Zeichen verantwortungsvollen Handelns. Die römisch-katholische Kirche unterstützt daher die Anlage von Mehrnutzenhecken auf Kirchengrund.“ sagte Weihbischof Stephan Turnovszky im Rahmen der Segnung.

Möglich wurde das Vorhaben durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Unterstützung des Landes Niederösterreich über die NÖ Agrarbezirksbehörde, die Planung, Pflanzung und Pflege begleitet. Einen zentralen Beitrag leistete die Pfarre Absdorf: Sie stellte das Feld zur Verfügung und unterstreicht damit ihr langjähriges Engagement für Umwelt- und Klimaschutz. Als seit 2014 mit dem Umweltzeichen EMAS ausgezeichnete Pfarre ist ihr die Schöpfungsverantwortung und der Erhalt der Biodiversität ein besonderes Anliegen.

„Auch kleine Pfarren können viel bewirken und so Vorreiter für Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden. Absdorf soll als Beispiel für andere Pfarren in Österreich dienen“ unterstreicht Markus Gerhartinger, Umweltsprecher der katholischen und evangelischen Kirche Österreich.

„Mögen die Menschen, die bei der Hecke vorbeikommen, die Wichtigkeit einer intakten Natur spüren und damit auch selbst für den Erhalt der Schöpfung eintreten“ so Pfarrer Liviu Balascuti.

„Die Pfarre versteht die Bereitstellung von Flächen für naturnahe Maßnahmen als Teil ihres pastoralen und gesellschaftlichen Auftrags. Durch EMAS werden Umweltziele und Maßnahmen systematisch geplant, umgesetzt und überprüft – ein Ansatz, der bei Projekten wie der Mehrnutzenhecke konkret wird und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen schafft“ betont der Pfarrgemeinderat Leopold Fischer

Bürgermeister Franz Dam dazu: „Mit diesem Biotopverbund setzen wir in Absdorf einen wichtigen Schritt für die ökologische Ausstattung unserer Gemeinde für aktuelle und künftige klimatische Verhältnisse. Besonders stolz sind wir auf die breite Zusammenarbeit, die dieses Projekt möglich gemacht hat.“

Hecken verbinden  Lebensräume in Niederösterreich und Europa

Die niederösterreichische Agrarbezirksbehörde pflanzt seit 1958  konsequent Windschutzanlagen und Mehrnutzenhecken. Über 3.000 Hektar mit rund 5 Millionen Bäumen sowie 10 Millionen Sträuchern schützen heute etwa 100.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Niederösterreich.

„Jedes Jahr kommen rund 20 weitere Hektar hinzu, wodurch der Schutz kontinuierlich ausgebaut wird.“ erklärte Stefan Schick, der Amtsvorstand der NÖ Agrarbezirksbehörde im Zuge der Veranstaltung.

Im Rahmen des EU-Horizon-Projekts ARCADIA positioniert sich Absdorf mit dem neuen Biotopverbund als richtungsweisendes Beispiel für klimafitte und zukunftsorientierte Kommunalentwicklung. Absdorf ist eine Gemeinde in der Region Wagram, die eine Vorreiterrolle für ländlich geprägte Gebiete im Bereich Klimawandelanpassung einnimmt. Im Projekt ARCADIA werden in dieser Pionierregion die vielversprechendsten naturbasierten Maßnahmen umgesetzt und weiterentwickelt – mit Vorbildcharakter für andere Gemeinden und Regionen in Niederösterreich sowie in acht weiteren europäischen Staaten.

Diese Hecke ist weit mehr als eine Pflanzung – sie ist ein gemeinsames Zeichen für Zukunft, Zusammenarbeit und Verantwortung.